Anleitungen
Wire-geführt oder RTK-GPS, Bausatz oder komplett selbst entworfen: Der Einstieg in DIY-Mähroboter hat mehrere Weichenstellungen, die den gesamten weiteren Weg bestimmen. Dieser Guide ordnet die gängigen Plattformen ein und zeigt, womit ein Einstieg realistisch gelingt.
Bevor es um konkrete Hardware geht, steht eine grundsätzliche Entscheidung an: Wie soll der Roboter erkennen, wo er mähen darf? Klassische Mähroboter – auch die meisten kommerziellen Consumer-Geräte – arbeiten mit einem im Rasen verlegten Begrenzungsdraht (Boundary Wire), an dem sich der Roboter orientiert. DIY-Projekte der letzten Jahre setzen zunehmend auf RTK-GPS, bei dem zwei GNSS-Empfänger (Basisstation und Rover) per Funk oder Internet Korrekturdaten austauschen und so eine Positionsgenauigkeit im Zentimeterbereich erreichen – ganz ohne verlegten Draht.
Bewährte, einfachere Technik. Der Draht muss verlegt werden, was bei unregelmäßigen Gärten, vielen Hindernissen oder mehreren Teilflächen aufwendig wird. Die Navigation innerhalb der Fläche ist meist einfacher gehalten (z. B. Zufallsmuster).
Kein Draht nötig, dafür exakte Bahnplanung mit parallelen Mähbahnen möglich. Höherer Hardware- und Einrichtungsaufwand (Basisstation, freie Sicht zum Himmel, ggf. Internetzugang für Korrekturdienste). In der DIY-Szene aktuell der Ansatz mit der aktivsten Weiterentwicklung.
Wer unsicher ist: Ein RTK-System lässt sich auch nachträglich auf einer Draht-Basis aufbauen, wenn die gewählte Plattform das vorsieht. Die Grundsatzentscheidung sollte trotzdem am Anfang stehen, da sie Chassis, Elektronik und Software beeinflusst.
Wer nicht bei null anfangen möchte, orientiert sich meist an einem der etablierten Open-Source-Projekte. Sie liefern Chassis-Baupläne oder -Bausätze, Elektronik-Layouts und Firmware, auf denen aufgebaut werden kann.
Ardumower ist ein seit vielen Jahren gepflegtes Open-Source-Projekt mit eigener PCB (aktuell Version 1.3), Chassis-Bausätzen und einer eigenen Firmware-Basis. Ursprünglich für den Betrieb mit Begrenzungsdraht entwickelt, kann Ardumower-Hardware heute mit der Sunray-Firmware auf RTK-GPS-Navigation umgerüstet werden.
Sunray ist eine alternative, als experimentell bezeichnete Firmware, die Mähroboter per RTK ohne Begrenzungsdraht lokalisiert. Sie unterstützt zwei Hardware-Plattformen: Ardumower-Chassis mit PCB 1.3, einem Adafruit Grand Central M4 (oder Arduino Due) und einem ArduSimple-RTK-Kit, sowie den Alfred-Roboter mit einem passenden RTK-Umrüstsatz. Für die Alfred-Plattform wird die Firmware für Linux kompiliert und kommuniziert seriell mit einem separaten STM32-Treiber, der Motoren und Sensoren steuert. Zusätzlich existiert ein Linux-Simulator, mit dem sich Bahnplanung und Software ganz ohne Hardware testen lassen.
Alle Sunray-Hardwarekomponenten sind als Gesamtsystem konzipiert und aufeinander abgestimmt – wer einzelne Komponenten gegen nicht vorgesehene Alternativen tauscht, riskiert Schäden an der Hardware. Von der Master-Version des Repositories rät das Projekt ausdrücklich ab, da sie unfertigen Entwicklungsstand enthält; stattdessen sollte eine veröffentlichte Release-Version verwendet werden.
Alfred ist ein von Marotronics gefertigter, auf Ardumower-Technik basierender Roboter mit werkseitig verbautem RTK-GPS. Er wird als vormontiertes Gerät verkauft und richtet sich an alle, die weniger selbst bauen, aber dennoch auf einer offenen, erweiterbaren Softwarebasis (Sunray) aufsetzen möchten. Für reine Selbstbauer ist Alfred vor allem als Referenz interessant: Die dort verwendete RTK-Umrüstung zeigt, welche Komponenten für eine funktionierende RTK-Lösung nötig sind.
Wer stattdessen ganz eigene Wege gehen möchte – eigenes Chassis, eigene Steuerplatine, eigene Firmware – findet auf dieser Website mehrere dokumentierte Eigenbauprojekte, die sich lohnen, vor der eigenen Planung durchzulesen (siehe „Aus der Community" unten).
Wer sich für den RTK-Weg entscheidet, sollte die Grundkomponenten kennen, bevor Bauteile bestellt werden:
Eine eigene Basisstation lässt sich durch öffentliche Korrekturdienste ersetzen, sofern in der Region ein Anbieter mit ausreichender Netzabdeckung verfügbar ist. Das reduziert die Hardwarekosten, macht den Betrieb aber von einer Mobilfunkverbindung am Standort abhängig.
Die Preisspanne ist groß und hängt stark davon ab, ob fertige Bausätze oder Einzelkomponenten gekauft werden.
| Baustein | Größenordnung | Bemerkung |
|---|---|---|
| RTK-Einstiegskit (ArduSimple, einfache Ausführung) | ab ca. 210 € | Basis-Variante ohne Langstrecken-Funk; für kleinere Gärten mit kurzer Basis-Rover-Distanz |
| RTK-Kit mit Long-Range-Funk | ca. 600–800 € | Für größere Grundstücke oder wenn Basis und Rover weiter auseinanderliegen |
| Ardumower-Elektronik (PCB, Motoren, Akku, Mähmotor) | mehrere hundert Euro | Je nach gewählten Motoren und Akkukapazität stark variabel |
| Fertiger Alfred-Roboter | ca. 2.400–2.500 € | Komplettgerät inkl. Ladestation, RTK bereits integriert |
Für ein reines Eigenbauprojekt auf Ardumower-Basis mit RTK-Einstiegskit ist ein Gesamtbudget im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich realistisch – abhängig von Grundstücksgröße, gewünschter Reichweite der Funkverbindung und bereits vorhandenem Werkzeug/Material.
In mehreren Community-Projekten wird deutlich, dass der Aufwand stark vom gewählten Weg abhängt. Wer einen bestehenden Bausatz nach Anleitung zusammenbaut, kommt mit grundlegenden Löt- und Schraubkenntnissen weit. Wer wie bei einigen dokumentierten Eigenbauprojekten auf dieser Website eigene Sensorik, ROS oder eigene Positionsbestimmung integrieren möchte, sollte Erfahrung mit Linux, Elektronik und Programmierung mitbringen – in einem der hier dokumentierten Projekte wird ausdrücklich davor gewarnt, diesen Weg ohne entsprechende Kenntnisse zu gehen, da er teuer und frustrierend werden kann.
Ein Community-Mitglied berichtet aus eigener Erfahrung, dass ein einfacher Chassis-Lernbausatz ohne vormontierte Steckverbindungen Löterfahrung voraussetzt und für Einsteiger ohne Lötkolben ungeeignet ist. Vor dem Kauf eines Bausatzes lohnt sich daher ein Blick auf den tatsächlichen Lieferumfang.
Für den Einstieg hat sich in der Praxis ein schrittweises Vorgehen bewährt, statt sofort das komplette System zu bestellen:
Nein. Ein Begrenzungsdraht-System ist technisch einfacher und günstiger im Einstieg. RTK-GPS lohnt sich vor allem bei unregelmäßigen Flächen, mehreren getrennten Teilflächen oder wenn eine exakte Bahnplanung gewünscht ist.
Da Alfred auf der offenen Sunray-Firmware läuft, ist eine gewisse Anpassbarkeit gegeben. Für tiefgreifende Hardwareänderungen ist ein von Grund auf selbst gebautes System jedoch flexibler.
Das hängt vor allem von der Reichweite der gewählten Funkverbindung zwischen Basis und Rover sowie der Akkukapazität ab. Für größere Distanzen bieten die Hersteller Long-Range- und Extra-Long-Range-Funkmodule an.
Für einige ältere und alternative Chassis-Designs ja, für Bausätze mit vorgefertigtem Chassis nicht zwingend. Es lohnt sich, das vor dem Kauf zu prüfen.
Diese Threads aus dem Forum zeigen reale Eigenbauprojekte und die dabei aufgetretenen Herausforderungen. Sie ersetzen keine Herstellerangaben, geben aber einen praktischen Eindruck vom Aufwand.